Lesung: Norbert Gstrein liest aus "Im ersten Licht"

25.10.2026 | 11:00 Uhr - 13:00 Uhr
Bühne
Garage Wetzikon
Garage Wetzikon
Felicia Pantò
https://www.cameralitobscura.ch
Gstreins Jahrhundertpanorama «Im ersten Licht» setzt 1920 ein. In einer ländlichen Gegend Österreichs leben in einer zum Invalidenheim umgenutzten Villa grässlich entstellte Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Zu ihnen gehört auch Ernest Eller, ein Sohn der adligen Besitzer des Anwesens. Seine Familie hat ihn für tot erklärt, weil er seiner Verlobten nicht als Monster unter die Augen treten will. Gstreins Protagonist Adrian Reiter, der in der Nähe der Villa als Hoteldiener arbeitet, kennt Ernest von Kindesbeinen an und kümmert sich um ihn. Helfen kann er ihm letztlich nicht: Ernest zündet die Villa an und erschiesst sich.

Reiter hinkt: Sein Vater, ein k. & k. Postbeamter, hat ihn mit einem Axthieb ins Bein zum Krüppel gemacht, damit er nicht zum Ersten Weltkrieg eingezogen wird. Später kann er dank der Unterstützung der Familie Eller studieren; er wird Gymnasiallehrer und heiratet eine Kollegin. Die Heldentaten des österreichischen Heeres werden zu seiner Obsession. Sein ihn bewundernder Schüler Martin Baumgartner kämpft im Zweiten Weltkrieg als Soldat der Wehrmacht im Osten. Im Fronturlaub besucht er den Lehrer. Der nimmt die Berichte des Soldaten so gleichmütig hin wie jene von der Deportation jüdischer Familien. Adrians Frau kann den Opportunismus ihres Mannes nicht mehr ertragen. Sie verlässt ihn kurz nach Ende des Kriegs. Er wiederum lernt viel später, 1961, in den südenglischen Downs Vivian kennen, die seine zweite Frau wird und ihm zu einem neuen Leben verhilft, obwohl auch sie eine dunkle Geschichte mit sich trägt.

Norbert Gstrein zählt zu den namhaftesten deutschsprachigen Schriftstellern unserer Zeit. Der studierte Mathematiker ist mit Romanen, Erzählungen und Essays hervorgetreten, für die er mit zahlreichen Preisen bedacht wurde. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Romane «Die englischen Jahre» (1999), «Das Handwerk des Tötens» (2003), «Die Winter im Süden» (2008) und «Als ich jung war» (2019).
Gstrein versteht es, in seiner unverwechselbaren, zugleich nüchternen und dichterischen Sprache komplexe Geschichten zu gestalten und Figuren zu schaffen, die man nicht mehr vergisst. So ist Adrian Reiter im Roman «Im ersten Licht» eine schillernde Person: Beobachter und Mitläufer, Jedermann und Sonderling, ein Mensch, der zu differenzierten Wahrnehmungen fähig ist und sich gleichzeitig ideologisch vereinnahmen lässt, einer, der durch Wegschauen und Nichthandeln schuldig wird. Er ist aber nicht einfach ein Antiheld. Er kommt uns nahe, wir verstehen ihn besser, als uns lieb sein mag. Sein Leben verläuft so wenig in geraden Linien wie Norbert Gstreins labyrinthisches Roman, das durch seine Bogenarchitektur ebenso beeindruckt wie durch seine präzise Sprache. Sein starker Plot hat – in der 1988 spielenden Coda – einen höchst raffinierten Schluss.

Im Anschluss an die Lesung gibt es die traditionelle Suppe.

E-Mail
In Kalender eintragen

Cookie-Hinweis

Hinweis zur Verwendung von Cookies. Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie in unseren Datenschutzinformationen

Notwendige Cookies werden immer geladen